MAZ Fläming Echo Freitag, 20. Oktober 2006
Neue Adresse für Diabetiker
Medizinisches Versorgungszentrum in Belzig wird weiter entwickelt
Gunnar Neubert
Belzig Das Modellprojekt Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), von der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KV) und dem Kreiskrankenhaus Belzig zu Jahresbeginn aus der Taufe gehoben, wird nun für die Diabetiker im Altkreis Belzig praktisch umgesetzt. Der neu gegründete Verein „Integrierte Versorgung Belzig“ kooperiert dabei eng mit den Krankenkassen AOK und Barmer.
Mit der heutigen Einweihung des Westflügels im Kreiskrankenhaus gibt es eine Adresse für das Diabetes-Konsultations- und Schulungszentrum. Indes wird dort abermals Neuland bei der Einführung einer Fonds bezogenen Abrechnung aller medizinischen Leistungen für die Behandlung von Diabetikern beschritten. Das hat KV-Vorsitzender Hans-Joachim Helming gesagt. Während des morgigen Tages der offenen Tür wird das Projekt mit der Unterzeichnung einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung dokumentiert.
Mit dem neuen Abrechnungssystem soll die medizinische Versorgungsstruktur auf dem Land gestärkt werden, erläutert Helming. Inhalt sei, dass sich alle Beteiligten – Ärzte, Krankenhaus, Apotheken – einen festen, an das MVZ gezahlten Betrag für die Behandlung der Patienten teilen. Der Vorteil liege darin, dass die Ärzte das Budget selbst verwalten und daher über die zur Verfügung stehenden Mittel informiert sind. So sollen unnötige und doppelte medizinische Behandlungen vermieden werden.
„Die Kooperation zwischen ambulanter und stationärer Behandlung macht Sinn. So wird eine Versorgungskette mit effektiven Strukturen gewährleistet“, erläutert der KV-Chef. Ähnlich wie in der Schweiz unter dem Begriff Teilkopfpauschale schon erfolgreich praktiziert, sollen Versorgungsnetze für den speziellen Krankheitsfall, wie hier Diabetes, entstehen. Mittels Leitlinien und festen Strukturen sollen Behandlungen nach wissenschaftlichen und praktischen Erkenntnissen umgesetzt werden, dies sind klare Vorteile für den Patienten in und um Belzig, da ein Transportservice zum Kreiskrankenhaus angeboten wird. Dadurch würden ökonomische Gesichtspunkte und die Qualität verbessert. Helming sieht den neuen Schritt in der Integrierten Versorgung, der Vernetzung von ambulanter und stationärer Behandlung, auch als Standortsicherung für das Kreiskrankenhaus Belzig.
Parallel müssen die Integrierte Versorgung und das MVZ in der Öffentlichkeit als kompetente und qualitative Rund-um-Versorgung bekannter werden, meint der KV-Vorsitzende. Vor allem die Hausärzte müssten für das Projekt gewonnen werden. „Es soll niemandem ein Patient weggenommen werden. Nur die medizinische Spezialbehandlung über das MVZ soll intensiviert werden“, betonte Helming. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden immer häufiger Schwerkranke in den Allgemeinmedizinerpraxen registriert, die nun mit der Integrierten Versorgung entlastet werden soll.
Ärzte Zeitung, 13.01.2005
KV mischt per Verein bei Integrationsverträgen mit
KV Brandenburg ist über Verein am Diabetes-Vertrag mit der AOK beteiligt / Regionale Integrationsversorgung als Ziel
Potsdam/Belzig (ami). Die KV Brandenburg (KVBB) ist über eine Vereinsgründung in die Integrierte Versorgung eingestiegen.
Dem Verein Integrierte Versorgung Belzig (IVB) gehören außer der KVBB auch das Kreiskrankenhaus Belzig und einige niedergelassene Ärzte an. Als ersten Baustein hat der im Herbst gegründete Verein zum Jahreswechsel einen Vertrag zur Integrierten Versorgung von Patienten mit Diabetes mellitus mit der AOK Brandenburg geschlossen.
Die betreuenden Hausärzte können ihre Diabetes-Patienten in die Integrierte Versorgung einschreiben und sie zu Konsiliarsprechstunden und Schulungen bei Spezialisten am Kreiskrankenhaus Belzig überweisen. Neben einer niedergelassenen Diabetologin stehen auch Nephrologen, Kardiologen, Podologen und Augenärzte zur Diagnostik von Begleit- und Folgeerkrankungen von Patienten mit Diabetes mellitus zur Verfügung.
Zur Labordiagnostik kann auf Einrichtungen der Klinik zurückgegriffen werden, so dass die Ergebnisse noch am selben Tag zur Verfügung stehen. Alle Befunde werden dem Patienten für den Hausarzt direkt mitgegeben. Die AOK Brandenburg will vor Ort Ernährungs- und Bewegungskurse anbieten.
Auch Selbsthilfegruppen sollen Räume in dem Klinik-Neubau nutzen können. Laut Dr. Manfred Heßler, ärztlicher Leiter des Kreiskrankenhauses Belzig, fand das Projekt bereits in der Vorbereitungsphase Zustimmung bei Hausärzten und Patienten.
Der Integrationsvertrag zielt darauf ab, die Diagnostik und Schulung von Diabetes-Patienten zu verbessern. Vor allem sollen Versorgungsprobleme im Raum Belzig gelöst werden. Dazu wird unter anderen ein Fahrservice eingerichtet. Man wolle damit den Diabeteskranken die Möglichkeit geben, „die ärztliche Hilfe unterschiedlicher Fachmediziner in Anspruch zu nehmen, die in dieser Form sonst nicht ohne größeren Aufwand zu haben wären“, so Wolfgang Niebuhr, Chef der AOK Brandenburg.
Doch die Diabetiker-Versorgung ist nur der Auftakt zu einer regionalen Integrationsversorgung. Nach AOK-Angaben sollen weitere Bereiche wie ambulante Operationen, Schmerztherapie und Rheumatologie folgen.
Der Verein verfolgt nach Angaben des stellvertretenden Vereinsvorsitzenden und Chefs der KVBB, Dr. med. Hans-Joachim Helming, das Ziel, "„eine Optimierung der medizinischen Versorgung“ zu erreichen.
Dem Belziger Gynäkologen Helming zufolge soll es langfristig möglich werden, dass niedergelassene Ärzte ihre Patienten bei einem stationären Aufenthalt mitbetreuen, selbst operieren und am stationären Dienst teilnehmen. Umgekehrt sollen Klinikärzte ihre stationären Patienten ambulant nachbetreuen können.
Deutsches Ärzteblatt/Jg. 102/Heft 36/9. September 2005
Integrierte Versorgung (II)
Der Berg kommt zum Propheten
KV Brandenburg: Projekt zur besseren Vernetzung initiiert
Rollende Praxen überall da, wo der Haus- und Facharztmangel zunimmt? Dem Vorschlag können nicht alle etwas abgewinnen. Sicher ist jedoch, dass Ärzte und Krankenkassen neue Wege gehen müssen, wenn Patienten in Eifel oder Uckermark weiterhin angemessen versorgt werden sollen.
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Brandenburg hat deshalb Ende 2004 mit dem Kreiskrankenhaus Belzig eine Managementgesellschaft in der Rechtsform eines Vereins gemäß § 140 b SGB V gegründet, um sich an der Integrierten Versorgung zu beteiligen. Den Anfang machten Verträge zur Versorgung von Diabetes-mellitus-Patienten mit der AOK Brandenburg und der BARMER. Projekte wie Schmerztherapie, Kinderrheumatologie und Behandlung adipöser Kinder sollen folgen.
Belzig, die Kreisstadt von Potsdam-Mittelmark, liegt in der hügeligen Wald- und Wiesenlandschaft des hohen Fläming. Für eine 75-jährige Diabetikerin vom Land sei es nicht leicht, optimal versorgt zu werden, erläutert der KV-Vorstandsvorsitzende Dr. med. Hans-Joachim Helming. Sie müsse eigentlich regelmäßig zum Augenarzt nach Belzig, zum Kardiologen nach Brandenburg, zum Angiologen nach Potsdam. Doch ohne Auto ist das nahezu unmöglich.
Im Rahmen des IV-Projekts Diabetes können Hausärzte Patienten wie die alte Dame nun zu Konsiliarsprechstunden und Schulungen in Räumen des Krankenhauses anmelden, wohin die niedergelassene Diabetologin aus dem Nachbarort kommt. In der Klinik stehen regelmäßig weitere niedergelassene oder am Krankenhaus tätige fachärztliche Spezialisten zur Verfügung, aber auch Podologen. Ihre Arbeit ist durch Verträge mit dem Verein geregelt. „Der Berg kommt zum Propheten“, sagt Helming. Nur so lasse sich eine qualitativ hochwertige Versogung bei sinkenden Arztzahlen sichern. Die Hausärzte beurteilen den neuen Ansatz positiv: „Sie sind froh über jede Entlastung.“
Ambulant, stationär – und etwas Sinnvolles dazwischen
2006 soll alles noch besser laufen. Dann wird im Kreiskrankenhaus ein Medizinisches Versorgungszentrum fertig gestellt sein, das die KV als Dienstleister führt. Vier Ärzte interessieren sich für eine Anstellung, andere wollen kooperieren und spezielle Sprechstunden abhalten. Ziel ist der Aufbau einerpoliklinischen Einheit von ambulanter und stationärer Versorgung. Eine Blaupause für alle Landkreise sei das Belziger Modell nicht, betont der KV-Vorstand, aber eine Option: „Auch in Zukunft wird es noch eine ambulante und eine stationäre Versorgung geben, aber dazu ein gut funktionierendes Dazwischen.“
Dass die gesetzlichen Vorgaben für die Integrierte Versorgung eine Teilnahme von KVen gar nicht vorsehen, weiß Helming. Er ist jedoch überzeugt, dass diese Restriktion bald wieder beseitigt wird. Dafür müssten die KVen aber beweisen, „dass sie strukturell positiv wirken und nicht mauern“. Dass die Integrationsverträge mit Beteiligung der KV in Brandenburg zustande kamen, liege daran, „dass die Krankenkassen die Sinnhaftigkeit des Modells genauso erkennen wie das Ministerium“, sagt Helming.
Diabetes-Zentrum kann Ärzten bei der DMP-Bürokratie helfen
Einrichtung im brandenburgischen Belzig soll Komplettversorgung von Diabetes-Patienten vorhalten / Träger sind KV, Klinik und einzelne Ärzte
AZ 10.09.2004
Potsdam (ami). Die Hausärzte in Brandenburg könnten bald Erleichterung bei der Betreuung von Typ-2-Diabetikern in Disease-Management-Programm erhalten.
Ein Diabetes-Zentrum will als Integrationsprojekt unter Beteiligung der KV Brandenburg (KVBB) die fachärztliche Komplettversorgung am Krankenhaus Belzig vorhalten. Darüber hinaus hat die KV nach Angaben ihres Vorsitzenden Dr. med. Hans-Joachim Helming bei den Krankenkassen angefragt, ob die Einschreibung von DMP-Diabetikern auch in den Servicestellen der Kassen vorgenommen werden kann. Die Antwort der Krankenkassen steht noch aus.
Der Leiter der brandenburgischen Landesvertretung des Ersatzkassenverbandes, Lothar Bochat, signalisierte jedoch, dass das Vorhaben möglicherweise durch die Schließung von Servicestellen gebremst werden könnte. Grund hierfür seien die gedekelten Verwaltungskosten der Krankenkassen.
Zeitgleich hat die KV nun auch mit den Ersatzkassen in Brandenburg einen Vertrag zum DMP Diabetes Typ 2 geschlossen. Er gleicht im wesentlichen dem seit über einem Jahr bestehenden Vertrag mit der AOK. „Es kommt darauf an, bei den Patienten einen Wandel in den Lebens- und Eßgewohnheiten zu erreichen. Das wollen Ärzte und Kassen gemeinsam angehen“, sagte Landes-Chef Bochat. Nach seinen Angaben richten die Krankenkassen Callcenter für ihre Versicherten ein und erinnern sie an Arzttermine.
Die Betreuung von Diabetikern könnte den Brandenburger Hausärzten durch ein Projekt der integrierten Versorgung erleichtert werden. Zusammen mit dem Kreiskrankenhaus Belzig und einzelnen Ärzten hat die KV einen Verein gegründet, der am Belziger Krankenhaus zunächst ein Diabetes-Zentrum vorhalten will. Alle zur Betreuung von Diabetikern nötigen Fachärzte, Physiotherapeuten und Podologen sollen am Zentrum vor Ort sein. Patienten werden mit einem Fahrdienst komplett versorgt.
Hintergrund des Projektes ist die schwierige Umsetzung der Diabetes-Schulungen beim DMP im Flächenland Brandenburg. „Etliche Hausärzte wären dankbar, wenn sie die Schulungen abgeben könnten“, sagte KV-Chef Helming. Das Integrations-Zentrum in Belzig könnte ein Modell entwickeln, um zentralisierte und qualitätsgeprüfte Schulungen zu veranstalten. „Im Zentrum kann auch das Einschreibverfahren für das DMP erledigt werden, so dass der einzelne Arzt von der Bürokratie befreit ist“, so Helming. Der Verein verhandelt derzeit mit der AOK einen Integrationsvertrag zu dem Projekt.
MAZ 01.09.2004
Wiedergeburt der Polikliniken
Projekt der integrierten Versorgung ist derzeit deutschlandweit einmalig
Kerstin Henseke
Belzig Die gute alte Poliklinik und mit ihr die Idee der auf kurzem Weg erreichbaren Komplettversorgung unter einem Dach scheint sich aus der Asche allzu schnell beseitigter Strukturen zu erheben. Da Wiederkehr niemals dasselbe hervorbringt, heißt das deutschlandweit einmalige Projekt, welches das Belziger Kreiskrankenhaus und die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburgs zusammen mit der AOK heute starten, Integrierte Versorgung Belzig“ (IVB). Es wurde gestern vorgestellt und soll zunächst AOK-versicherten Diabetes Patienten im Altkreis zugute kommen.
Diese schrieben sich beim Hausarzt in das Projekt ein und werden von diesem in das interdisziplinäre Konsultationszentrum im heutigen Ärztehaus (ehemalige Poliklinik) in der Niemegker Straße überwiesen, das eng mit der Diabetes-Schwerpunktpraxis in Niemegk zusammenarbeitet. Für umfassende Erst- oder regelmäßig anstehende Folgeuntersuchungen sowie Therapien stehen hier zu bestimmten Terminen vertraglich gebundene niedergelassene wie stationär tätige Fachärzte und Spezialisten zur Verfügung.
„Wird beispielsweise ein Nierenschaden diagnostiziert, müsste der Patient nicht mehr in die nephrologische Klinik nach Potsdam, sondern könnte hier behandelt werden, weil der Nephrologe herkommt“, erklärt Chefarzt Manfred Heßler.
Gerade bei Erkrankungen wie Diabetes mellitus, der sich auf die Funktionalität vieler Organe auswirken kann und viele Ärzte und Behandlungen nötig macht, ist eine zentrale Anlaufstelle hilfreich. Besonders für alte Menschen und im Flächenkreis. Es sei auch geplant, Fahrdienste einzurichten, um die Patienten, ohne dass ihnen Kosten entstünden, aus den Dörfern zu den regelmäßigen Untersuchungen zu holen, so Heßler.
Auf dem Gelände des Kreiskrankenhauses, zu dessen Standortsicherung das Projekt ebenso beitrage, sollen auch ein Konsiliarzentrum für die Ärzteberatungen und ein Schulungszentrum entstehen. Diabetiker-Schulungen würden bereits jetzt durchgeführt und gut angenommen. Die integrierte Versorgung könnte schrittweise um andere Indikationsgebiete wie etwa Schmerztherapie, Übergewichtigkeit bei Kindern, Rheuma und ambulantes Operieren erweitert werden.
„Wir sind nun dabei, die Brandmauern wieder einzureißen, die nach der Wende zwischen ambulanter und stationärer Versorgung und Rehabilitation hochgezogen wurden, als jeder sein Budget hütete und nicht an einer Verzahnung über die Mauer hinaus interessiert war“, markierte Sozialminister Günter Baaske (SPD) den historischen Augenblick. Das habe zur „Zersiedelung der medizinischen Kompetenzen“ geführt, ergänzte Hans-Joachim Helming als Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung. „Wir wollen wieder zentrale Versorgungsstrukturen. Ambulante Ärzte sollen wieder im Operationssaal stehen, Krankenhausärzte wieder in einer Praxis erreichbar sein“, betonte er. Um zusammen zu fügen, was zusammen gehöre, habe es in Belzig, wo die Verbindung der Ärzte nie abgerissen sei, „günstige menschliche Voraussetzungen“ gegeben.
Der Hausarzt, so Helming, bleibe nach wie vor Grundbetreuer und „Lenker“ der Patienten, solle aber auch angesichts der bestehenden Hausärzteknappheit im Flächenkreis entlastet werden.
Märkische Allgemeine – Potsdam Mittelmark – Regionale Nachrichten
13.08.2004
„Ich würde die Differenz auch aus eigener Tasche bezahlen“
In Ihrem Engagement für bessere Bedingungen im Belziger Diabetikerzentrum wird Reinhild Lautenbach vom eigenen Dachverband ausgebremst
Kerstin Henseke
Belzig
Reinhild Lautenbach ist so etwas wie ein „bunter Hund“. Nahezu jeden Tag ist die Leiterin des Belziger Diabetikerzentrum acht, neun Stunden „für die Sache“ auf Achse zwischen Wiesenburg und Treuenbrietzen. Seit 12 Jahren versucht die 50-jährige, an Diabetes erkrankten Menschen zu vermitteln, was diese brauchen, um den ungeliebten Begleiter zu beherrschen und mit ihm ein fast normales Leben zu führen.
Reinhild Lautenbach weiß, wovon sie spricht. Seit dem dritten Lebensjahr gehört sie zur ständig steigenden Zahl der Betroffenen, wurde bereits zu DDR-Zeiten invalidisiert. 125 000 Erkrankte gibt es im Land Brandenburg, 7000 im Kreis Potsdam-Mittelmark und etwa 700 in Belzig. 50 von ihnen treffen sich regelmäßig im Diabetikerzentrum in der Erich-Weinert-Straße in drei Selbsthilfegruppen. Diese leitet Reinhild Lautenbach ebenso an wie jene in Wiesenburg und Treuenbrietzen. Sie organisiert Referenten zu neuen Therapieformen und Ernährungsfragen, zu Sport, Vorsorge und Rechtsschutz. Neu Erkrankte lernen, mit Blutzuckermessgerät und Insulininjektoren umzugehen.
Das Zentrum im Klinkengrund entstand vor zwei Jahren aufgrund steigender Nachfrage nach Einzelberatung. „Nicht alles lässt sich in der Gruppe erzählen“, so Lautenbach. Offiziell bietet sie zehn Beratungsstunden pro Woche an. Doch auf die Uhr schaut sie nie. Da sowohl Einzelgespräche als auch Angebote wie Fußbehandlung oder Sportgruppe zunahmen, wurde der eine Raum bald knapp. Als die AWG, die sich mit den Diabetikern die Etage teilte, auszog, saßen die Belziger Wohnungsgesellschaft (Bewog) und Reinhild Lautenbach schnell an einem Tisch. Die Offerte war so mietgünstig, dass keiner Zahlen nennen möchte: Ein kleines Büro und endlich die ersehnte wie notwendige Toilette sollten den nun stark preisgeminderten großen Gruppenraum ergänzen. „Alles zu einem außergewöhnlich günstigen Grundpreis und als Wertschätzung für die sehr notwendige und erstaunliche Selbsthilfearbeit zu verstehen“, sagt Heidi Schwarz von der Bewog.
Das schrieb sie vor sechs Wochen samt Mietvertrag auch dem Landesdiabetikerbund, der den Kontakt unterzeichnen muss. Statt einer Antwort hagelte es aus Potsdam Maßregelungen für Reinhild Lautenbach, obwohl diese bei Sponsoren bereits die Mehrkosten – monatlich etwa 60 Euro – für ein ganzes Jahr „erbettelt“ hatte. „Unverantwortlichkeit“ wurde ihr vorgehalten. Man müsse schließlich weiter als ein Jahr denken, lautet der Vorwurf „von oben“.
Der Dachverband trägt 60 Prozent der Kosten, den Rest sichert Lautenbach vor Ort aus Spendengeldern. Das meiste kommt von der Pharmaindustrie, weshalb die engagierte Diabetikerin auch keine Angst vor den folgenden Jahren hat. „Wenn ich den Mietvertrag unterschreiben dürfte, würde ich die Differenz sogar aus der eigenen Tasche bezahlen“. Auf MAZ-Anfrage gibt sich Landesvorsitzende Sabine Janke hierarchiebewusst. „Für Mietverträge ist allein der Vorstand zuständig“. Noch sei gar nichts entschieden, der Vorstand könne erst nach der Urlaubszeit tagen.
Apropos Urlaub. Auch deswegen bekam die Belzigerin vom Apparat eins auf Dach. Im Februar gab sie dem Drängen des Landesbundes nach, sich vier Beratungsstunden pro Woche als geringfügige Beschäftigung mit 165 Euro vergüten zu lassen. Als sie trotz Ablehnung des Landesverbandes wie jedes Jahr zu einer Kindervorsorgekur des Landesverbandes Sachsen-Anhalt mitfuhr, um dort als gelernte Laborantin ehrenamtlich die Zuckerwerte von 38 Diabetes-Kindern zu analysieren, strich man ihr prompt das Juli-Gehalt. Einen auch vom Landesverband unterschriebenen Arbeitsvertrag samt Urlaubsregelung hat sie bis heute nicht.
Ärztezeitung 21./22.01.2005
Defizite in der Schmerztherapie – KV plant Integrationsprojekt
KV erarbeitet Konzept als Mitglied des Vereins Integrierte Versorgung Belzig
Potsdam/Belzig (ami). Der Verein Integrierte Versorgung Belzig (IVB), dem außer dem Kreiskrankenhaus Belzig und mehreren niedergelassenen Ärzten auch die KV Brandenburg angehört, plant ein Projekt zur Schmerztherapie.
Die KV Brandenburg (KVBB) entwickelt derzeit ein entsprechendes Konzept, das den Krankenkassen angeboten werden soll. Nach ihren Angaben krankt die schmerztherapeutische Behandlung bisher daran, dass chronisch Schmerzkranke oft ins Krankenhaus eingewiesen werden, wenn sie nicht von ihrem Hausarzt sondern von Ärzten des Bereitschaftsdienstes behandelt werden müssen. Aus der Klinik würden die Schmerzpatienten dann häufig mit vielen Medikamenten entlassen, die nur selten individuell abgestimmt seien, so KVBB-Vorstands-Chef Dr. med. Hans-Joachim Helming.
Die von der KV angestrebte Integrationsversorgung sieht nach Helmings Angaben für jeden Patienten ein individuelles Beratungskonzept vor. Dazu sind unter anderem Schmerzkonzile unter der Leitung eines qualifizierten Schmerztherapeuten in den Räumen des Kreiskrankenhauses Belzig geplant.
Weitere Integrationsprojekte bereitet die KVBB für die Versorgung bei Rheuma und Adipositas vor. „Die Indikationen ergeben sich aus dem Versorgungsbedarf“, erläutert der KVBB-Chef. Integrationsversorgung erfordere Hintergrundwissen, Koordination und Logistik. „Das können wir als KV beitragen“, so Helming. Trotz der gesetzlichen Hürden habe die KVBB großes Interesse, an der Integrationsversorgung mitzuwirken.
„Wir haben nichts gegen Integrierte Versorgung, sondern bewerben sie sogar aktiv, wenn sie wirklich Sinn macht. Wir sperren uns aber gegen Schein-Integrationsprojekte“, so der KVBB-Chef.
Große Probleme sieht Helming bei dem bundesweiten Integrationsvertrag der Barmer Ersatzkasse zur hausarztzentrierten Versorgung. Helming: „Der Hausarzt als Lotse weiß doch alles über seine Patienten – wozu braucht man da einen Hausapotheker“ ? Umgekehrt stelle sich die Frage, was dem Hausarzt zur Koordination bliebe, wenn der Hausapotheker die Medikation zentral abstimme. Helming betont jedoch, dass die KVBB verhandlungsbereit sei, wenn eine Krankenkasse mit stimmigen Inhalten für die hausarztzentrierte Versorgung auf sie zukäme.
Einladung
Projekt „Integrierte Versorgung Belzig – IVB“ soll medizinische Versorgung weiter verbessern
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Namen der Projektverantwortlichen „Integrierte Versorgung Belzig – IVB“ laden wie Sie recht herzlich zum Pressegespräch am 31. August 2004 in das Kreiskrankenhaus Belzig, Niemegker Straße 45 in Belzig, ein. Beginn ist um 14.00 Uhr.
Wir möchten Ihnen das am 1. September im Altkreis Belzig startende Projekt einer integrierten medizinischen Versorgung vorstellen. Ziel dieses Projektes ist eine bessere Verzahnung von ambulanter und stationärer medizinischer Versorgung der Bevölkerung, eine erleichterte Inanspruchnahmemöglichkeit für die Patienten und die Optimierung der Versorgungsqualität.
Dieses Projekt ist das erste seiner Art im Land Brandenburg. Es stellt eine neue variable Struktur dar, die ein enges, unkompliziertes und kooperatives Miteinander von Ärzten in freier Niederlassung, Krankenhausärzten und anderen, nichtärztlichen Leistungsanbietern wie Sozialer Dienste, Krankentransportunternehmen oder Heil- und Hilfsmittelerbringer ermöglichen soll. Dazu wird eine Funktionseinheit als ambulantes Leistungszentrum zur Ergänzung der wohnortnahen medizinischen Versorgung der Landbevölkerung wiederbelebt.
Das erste Optionsmodul dieser neuen Struktur widmet sich der Verbesserung der Versorgung von Patienten mit Diabetes mellitus. So werden beispielsweise ein zentrales Schulungszentrum und ein Konsiliarzentrum geschaffen. Schrittweise ist der weitere Aufbau für verschiedene andere Indikationsgebiete vorgesehen.
Als Gesprächspartner stehen Ihnen der Ärztliche Direktor des Kreiskrankenhauses Belzig, Dr. med. Manfred Heßler, der Geschäftsführer des Hauses, Torsten Grätz, sowie der Vorsitzende der KV Brandenburg, Dr. med. Hans-Joachim Helming, zur Verfügung. Als Gast wird auch der brandenburgische Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen, Günter Baaske, teilnehmen.
Wir freuen uns, Sie bei diesem Pressegespräch begrüßen zu können und bitten Sie, Ihre Teilnahme telefonisch im Sekretariat des Kreiskrankenhauses Belzig unter der Telefonnummer 033841/93 421 mitzuteilen.
Mit freundlichen Grüßen
Torsten Grätz Dr. med. Hans-Joachim Helming
Geschäftsführer Vorsitzender
des Kreiskrankenhauses Belzig der KV Brandenburg
MAZ 12.04.2006
Kreiskrankenhaus Belzig will mit neuem Status effektiver werden
Gesundheitseinrichtung bemüht sich um Zulassung für ein Medizinisches Versorgungszentrum
Ärzte wollen sich nicht im Fläming niederlassen
Kerstin Henseke
Belzig: Um den akuten Mangel vor allem an Hausärzten abzufedern, will sich das Kreiskrankenhaus Belzig jetzt um die Zulassung für ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) bemühen. Vakante Kassenarztstellen könnten dort befristet besetzt werden. Niedergelassene Ärzte, die beispielsweise in den Ruhestand gehen möchten und keine Nachfolger für ihre Praxis finden, was zunehmend der Fall ist, könnten ihre Zulassung an das MVZ übertragen. Voraussetzung dafür ist jeweils die Zustimmung der Kassenärztlichen Vereinigung als Interessenvertreter der niedergelassenen Ärzte.
In der interdisziplinären Einrichtung, die praktischerweise im Ärztehaus am Krankenhaus angesiedelt werden soll, wären die Mediziner als Angestellte oder Vertragsärzte tätig. Die vom Mutterhaus vorgehaltene räumliche und medizintechnische Ausstattung sowie diagnostische Dienstleistungen wie Röntgen oder Laboranalysen können vom ambulanten Versorgungszentrum effizient mitgenutzt werden. Ohne die finanzielle Belastung einer Praxisgründung, hofft Krankenhaus-Geschäftsführer Torsten Grätz, der das Modell kürzlich im kreislichen Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Frauen vorstellte, kommen die Kollegen vielleicht eher in den Fläming. Händeringend wird dort neben Allgemeinmedizinern auch nach ambulant tätigen Fachärzten u. a. in den Bereichen Orthopädie, Chirurgie oder Psychiatrie gesucht.
Der Fläming scheint entgegen anders gerichteten Pendlerbewegungen für diese Berufsgruppe als Lebensort offensichtlich unattraktiv zu sein. Die im ganzen Land Brandenburg registrierte Abneigung der Mediziner, sich in ländlichen Regionen anzusiedeln, sei nach Angaben der Geschäftsführung auch im stationären Bereich spürbar. Etliche Ärzte wohnten in Berlin, betrachteten die Anstellung als Übergangsphase und nähmen während dieser den täglichen Fahrtweg in Kauf.
Mit einer Ermächtigung als Versorgungszentrum vergrößert sich zudem die rechtliche Chance, spezielle Diagnosemethoden wie Mammografien oder Computertomografien endlich ambulant einsetzen zu dürfen. Bislang ist ersteres trotz des Status des Belziger Krankenhauses als Mammazentrum nur für den stationären Einsatz genehmigt.
Da der Gesetzgeber eine deutliche Trennung von ambulanter und stationären Versorgung fordert, dürfen die im Medizinischen Versorgungszentrum künftig tätigen Ärzte nicht bei der Krankenhaus-GmbH angestellt werden. Entsprechende Verträge müssen über deren Tochtergesellschaft, die Service GmbH, laufen, deren Gesellschaftszweck deshalb erweitert werden muss. Am 28. April wird der Kreistag Potsdam-Mittelmark als Gesellschafter darüber abstimmen. Der Fachausschuss gab dem erweiternden Passus unlängst erst seine positive Empfehlung.
Im gleichen Federzug sollen andere Geschäftsbereiche der Service-GmbH auf einen festgelegten Nutzerkreis beschränkt werden. Das betrifft den Betrieb der Wäscherei und der Gebäudereinigung, die Verwaltung der krankenhauseigenen Immobilien und der Unterhaltung des Terrassencafes.
Leistungen in den genannten Geschäftszweigen dürfen nur für Betreiber und Nutzer des Krankenhauses erbracht werden, wozu auch Mitarbeiter und Patientenbesucher zählen. Das Innenministerium hatte im Zuge seiner Kommunalaufsichtspflicht auf der eindeutigen Geschäftstätigkeit auf ausschließlich öffentliche Aufgaben bestanden.
MAZ 30.12.2004
Nah am Patienten
Einzigartiges Versorgungsmodell für Diabetiker in Belzig und Umgebung
Kerstin Henske
Belzig: Am Diabetes mellitus erkrankte Patienten, die im Altkreis Belzig leben und bei der AOK versichert sind, können ab Januar die Vorzüge eines landesweit einzigartigen, ambulanten interdisziplinären Versorgungsmodells am Kreiskrankenhaus nutzen. Dieses fußt auf einer engen Kooperation zwischen stationär und ambulant tätigen Ärzten, bündelt deren Kompetenz in einem so genannten Integrationsstützpunkt und erspart den Betroffenen lange Wege innerhalb eines vielgliedrigen Gesundheitssystems.
Mehr als sechs Prozent der Bevölkerung leiden an der „Wohlstandskrankheit“ Diabetes. Wie die Häufigkeit nehmen auch die Komplexität der Krankheitsfolgen und –komplikationen zu, erklärte Chefarzt Manfred Heßler gestern anlässlich einer öffentlichen Projektvorstellung. Diese mache wiederum eine optimal vernetzte interdisziplinäre Betreuung durch Fachärzte wie Diabetologen, Nieren-, Augen-, Herzkreislauf- und Fußspezialisten, gekoppelt an Diabetikerschulungen notwendig. Ähnlich wie in den früheren Polikliniken sollen die Patienten ihre Spezialisten künftig an bestimmten Tagen Tür an Tür unter dem Dach des Ärztehauses finden. Für die notwendigen Konsultationen, die bisher weite Wege bis nach Potsdam und Brandenburg mit sich brachten, benötigen sie lediglich die Überweisung des Hausarztes, der auch innerhalb des Projektes „Integrierte Versorgung Belzig“ (IVB) vertrauter Lotse des Patienten bleibt und für diesen auch die Termine im Stützpunkt vereinbart. Wer weder mit öffentlichen Verkehrsmitteln noch mittels Privatwagen termingerecht zur Sprechstunde gelangen kann, wird von einem Fahrservice abgeholt und wieder nach Hause gebracht – Tribut an den Flächenkreis. Dasselbe gilt für die künftig obligatorischen, hochqualifizierten Patientenschulungen zu Hypertonie (Bluthochdruck), Diabetes und Ernährung, geleitet und koordiniert von der Niemegker Diabetologin Gerlinde Wandel.
Wie die Schulungsräume samt Diabetikerküche wird nach Beendigung des dritten Bauabschnitts auch das Selbsthilfe-Diabetikerzentrum unter Leitung von Reinhild Lautenbach im Kreiskrankenhaus Belzig zu finden sein.
Die Fachärzte kommen aus ihren Praxen der Umgebung oder den Stationen des Krankenhauses, können für Untersuchungen die moderne Diagnose- und Funktionstechnik des Krankenhauses und das Labor nutzen. Um die Sprechstunde im Integrationsstützpunkt abhalten zu können, werden die niedergelassenen Ärzte während ihrer Abwesenheit in den Praxen durch stationär tätige Kollegen vertreten. Andererseits sollen künftig auch niedergelassene Ärzte wieder am Operationstisch stehen und ihren Patienten von der Diagnose bis zur Nachsorge komplett betreuen können. Das zu Jahresbeginn in Kraft getretene neue Gesundheitsstrukturgesetz hatte nicht nur die effiziente, Verzahnung von ambulantem und stationärem Bereich hin zu einer bedarfsgerechten Versorgung gefordert, sondern mit Aufhebung der Budgetierung der niedergelassenen Ärzte auch die künstlichen Mauern der Ungleichbehandlung zwischen beiden Ressorts überwunden.
Partner der Integrierten Versorgung Belzig, zu deren Zweck ein gleichnamiger Verein gegründet wurde, ist neben dem Belziger Kreiskrankenhaus und der Kassenärztlichen Vereinigung als Interessenvertreterin der niedergelassenen Mediziner die märkische AOK. Etwa 70 Prozent der von Diabetes Betroffenen, schätzt Vorstandsvorsitzender Wolfgang Niebuhr, sind hier versichert. Die Krankenkasse erhofft sich neben der verbesserten medizinischen Versorgung und damit gesünderen und zufriedeneren Versicherungskunden auch eine deutliche Absenkung der Folgekosten durch frühzeitige Erkennung der Krankheit.
Presseinformation
Startschuss für Integrierte Versorgung im Altkreis Belzig
Ziel: Verbesserung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung durch bessere Verzahnung ambulanter und stationärer Leistungen
Belzig. Der Verein „Integrierte Versorgung Belzig – IVB e. V.“ informierte heute über ein Projekt zur besseren medizinischen Versorgung der Bevölkerung im Einzugsgebiet des Belziger Kreiskrankenhauses. Gelingen soll dies durch eine enge Verzahnung ambulanter und stationärer Leistungen. „Wir bieten den Patienten gewissermaßen eine Komplettbetreuung unter einem Dach an“, umriss der Belziger Gynäkologe Dr. med. Hans-Joachim Helming die Grundidee des Projektes.
Es gehe darum, „kurze Wege bei erforderlicher Diagnostik und Therapiemaßnahmen“ zu schaffen, eine „unkomplizierte Inanspruchnahme ökonomischer weise nur im Krankenhaus vorgehaltener Funktionsdiagnostik und Therapiemöglichkeiten“ vorzuhalten sowie nicht zuletzt den Patienten auf „unkomplizierte Weise durch das vielgliedrige und vielschichtige System der medizinischen Versorgung“ zu steuern.
Das Projekt Integrierte Versorgung schafft neue Strukturen des Miteinanders von ambulant und stationär tätigen Ärzten. Es ist damit die Voraussetzung, um in der Zukunft konkrete Versorgungsangebote anzubieten. Begonnen wird mit einer verbesserten Versorgung von Diabetikern. So entsteht in den Räumen des Kreiskrankenhauses ein zentrales Schulungszentrum und es wird ein sogenanntes Konsiliarzentrum aufgebaut. Hier werden, wie der Ärztliche Leiter des Kreiskrankenhauses, Dr. Manfred Heßler, formulierte, Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen, wie Nephrologen, Ophtalmologen oder Podologen sehr eng zusammenarbeiten.
Als Partner für dieses Projekt der Integrierten Versorgung wurde die AOK für das Land Brandenburg gewonnen. Bei der AOK versicherte Diabetiker können ab sofort diese Leistungen in Anspruch nehmen. Sie müssen sich für diese Teilnahme bei Ihrem Hausarzt einschreiben, erhalten dann auch eine spezielle Versichertenkarte von der AOK.
Der brandenburgische Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen, Günter Baaske, würdigte dieses Projekt als erstes seiner Art in Brandenburg. Es bringe nicht nur den Patienten Vorteile, sondern trage auch dazu bei, die knappen Finanzmittel der Kasse effizienter einzusetzen.
Der heute gegründete Verein – IVB – ist künftig Verhandlungspartner der Krankenkassen und jener Ärzte und anderen Leistungserbringern, die sich beteiligen wollen. Die KV Brandenburg als Gründungsmitglied des IVB – ebenso wie das Belziger Kreiskrankenhaus – wird die Qualität der medizinischen Leistungen überwachen.
Die Finanzierung der im Rahmen des IVB erbrachten Leistungen erfolgt außerhalb der Gesamtvergütungen. Dies sieht das GKV-Modernisierungsgesetz so vor.
MAZ (Fläming-Echo) 06.10.2006
Gunnar Neubert
„Alle engagieren sich“
Medizinisches Versorgungszentrum Belzig ist startklar zum 1. Januar 2006
Belzig: Das ist ein einmaliges Projekt im Land Brandenburg und darüber hinaus: das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ). Es soll dem drohenden Landarztmangel in der Region entgegenwirken und eine effiziente Versorgung für die Patienten sichern. Das MVZ wird am 1. Januar 2006 gemeinsam von Kassenärztlicher Vereinigung Brandenburg (KV) und Kreiskrankenhaus Belzig aus der Taufe gehoben. Es beteiligen sich vorerst drei Mediziner, darunter Chirurg Eberhard Paschold und Augenarzt Bernd-Joachim Steinbrück, daran. Mit dem Start des Projektes hat zudem das Gesundheitsministerium seine strategische Partnerschaft zugesagt, berichtete KV-Vorsitzender Hans-Joachim Helming gestern.
Das Pilotprojekt soll vakante Kassenarztstellen befristet sichern helfen und vor allem Medizinern eine Alternative bieten, die aufgrund hoher Investitionskosten zunächst den Weg der Niederlassung im Fläming scheuen. Tatsächlich zielt das MVZ vor allem auf niedergelassene Ärzte, die beispielsweise in den Ruhestand gehen möchten und keine Nachfolger für ihre Praxen finden. Diese Kollegen können mit Zustimmung der KV ihre Zulassung an das MVZ übertragen.
Wie Krankenhaus-Geschäftsführer Torsten Grätz hervorhob, diene die interdisziplinäre Einrichtung, die im Ärztehaus an der Niemegker Straße eingerichtet wird, nicht zuletzt der Standortsicherung. Zugleich sei das MVZ eine Kombination aus ambulanter und stationärer Versorgung, wie sie das Kreiskrankenhaus allein nicht anbieten dürfe. Die im MVZ tätigen Mediziner – angestellt oder als Vertragsarzt – können die vor Ort befindlichen Räume, die medizintechnische Ausstattung und die diagnostischen Dienstleistungen (Röntgen, Labor usw.) effektiv mit nutzen. Zudem sei für die Patienten von Vorteil, dass sie von Zuhause abgeholt werden können.
Mit dem Pilotprojekt hofft der KV-Vorsitzende, dass ein ambulantes Zentrum entsteht, das sich in Zukunft ausbauen lässt. „Der Vorteil dieser Lösung ist: Alle Beteiligten in der Region Belzig engagieren sich“, hob Helming hervor.
Ohnehin ist bereits die integrierte Versorgung der Diabetiker (die MAZ berichtete) etabliert. Möglich werden auch ambulante Operationen und die Etablierung einer ärztlichen Bereitschaftsdienst-Sprechstunde. Perspektivisch werde an der Anregung des Gesundheitsministeriums gearbeitet, die einstige Gemeindeschwester wieder einzuführen.
„Das MVZ ist ein Schritt in eine neue Versorgungswelt“, konstatiert Helming. So möchte die KV ihren Versorgungsauftrag nachkommen, selbst wenn sie – wie das Krankenhaus Belzig auch – immer öfter vor dem Problem stehen, freie Arztstellen zu besetzen.